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Mythos 1

Ich ficke meinen Partner ohne Gummi, spritze aber nicht in ihm – dann ist sein Risiko nur gering


Du denkst vielleicht:

Der Passive kriegt dann ja kein Sperma ab, in dem HIV ist oder sein könnte.


Was scheint dafür zu sprechen?

HIV wird über Sperma oder Blut übertragen. Da scheint es logisch, aufs Abspritzen zu verzichten, um so den Partner zu schützen. Und als Aktiver kommst du ja auch nicht mit fremdem Sperma in Kontakt. Leider falsch gedacht!


Was spricht dagegen?

Beim Ficken ohne Kondom kann HIV allein schon über den Kontakt zwischen der Penisschleimhaut des Aktiven und der Darmschleimhaut des Passiven übertragen werden. Also ohne dass im Darm abgespritzt wird und ohne dass Blut im Spiel ist. Immunzellen in der Darmschleimhaut können HIV aus dem Flüssigkeitsfilm auf der Penisschleimhaut des eindringenden Partners direkt aufnehmen und so zu einer HIV-Infektion führen. Und von diesen Immunzellen gibt’s im Darm ganz besonders viele.

Umgekehrt funktioniert das genauso: Die Immunzellen am Schwanz des eindringenden Partners können Virus aus der Darmschleimhaut des Passiven ebenfalls direkt aufnehmen – auch ohne dass Verletzungen im Spiel sind.


Fazit:

Ficken ohne Gummi ist und bleibt eine riskante Angelegenheit für beide Partner (solange man nicht sicher sein kann, dass von keinem Partner eine Infektionsgefahr ausgeht).

 

Was steckt dahinter?

HIV befällt vor allem Immunzellen (körpereigene Abwehrzellen) – in erster Linie Helferzellen (CD4-Zellen), die andere Zellen des Immunsystems bei der Abwehr von Krankheitserregern steuern.

Besonders viele Immunzellen gibt’s im Darm, dem größten Immunorgan des Menschen. Sie können HIV direkt aufnehmen und weitergeben.

Auch am Schwanz – vor allem am „Vorhautbändchen“ und auf der zarten Innenseite der Vorhaut – liegen „Zielzellen“ von HIV nahe an der Oberfläche und können HIV leicht aufnehmen (z. B. aus dem Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut des Passiven).

Bei Entzündungen (z. B. durch sexuell übertragbare Krankheiten wie Syphilis oder Tripper) und kleinen Verletzungen der Schleimhaut (durch die es beim Analverkehr häufig kommt) ist das HIV-Risiko erhöht: In die Schleimhaut wandern zusätzliche Immunzellen ein, die HIV direkt aufnehmen bzw. abgeben können, und außerdem ist sie bei Verletzungen und Entzündungen durchlässiger für die Viren


 

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